Natürliche Holzleime: Herstellung & Verwendung

Heute sind wir offensichtlich kaum noch in der Lage, Häuser oder Möbel ohne synthetische Klebstoffe zu bauen. Früher dagegen waren die Menschen pfiffig genug, mit konstruktiven Holzverbindungen oder natürlichen Klebstoffen auszukommen.

Fotos: Sven Bräuning

Im Holz verarbeitenden Handwerk kommt man oftmals trotz ausgeklügelter Verbindungen nicht umhin, einzelne Holzteile miteinander zu verleimen. Dieser Artikel soll einen Überblick geben, welche Möglichkeiten altbewährte, natürliche Leime tierischen oder pflanzlichen Ursprungs bieten.

Kaseinleim 

Dieser Leim ist mein Favorit unter den Naturleimen, wenn es darum geht, wasserfeste und irreversible Verleimungen zu verwenden. Kaseinleim besteht nur aus Wasser, Kasein (z.B. Magerquark oder pflanzliches Kasein), und Kalkhydroxid (Löschkalk) in verschiedenen Mengenanteilen. Soll die Verbindung wasserfest eingestellt werden, ist noch die Zugabe von Kaliwasserglas notwendig. Beim Ansetzen des Leimes ist es wichtig, die genauen Mischungsverhältnisse der Rohstoffproduzenten einzuhalten. Zu dünn geratener Leim darf nicht verwendet werden, da die Klebewirkung mit zunehmender Viskosität sinkt. Die optimale Konsistenz ist vergleichbar mit zähflüssigem Honig.

Kaseinleim ruft dunkle Verfärbungen bei gerbstoffhaltigen Hölzern hervor. Falls Holzverfärbungen aufgetreten sind, können diese mit verdünnter Oxalsäure entfernt werden.

Ich verwende Kaseinleim für alle Verleimungen an Bauteilen, die einer erhöhten Feuchtebelastung ausgesetzt sind, also z.B. im Bad, Keller, in der Küche oder im (geschützten) Außenbereich. Er ist im Vollholzbereich ideal bei Eck- und Dübelverbindungen, Aufdopplungen oder auch Breiten- und Flächenverleimungen.

Wenn Sie Kaseinleim für sich entdecken wollen, können Sie auf meiner Homepage gerne meinen Kurzratgeber mit komprimierten Tipps und Tricks, sowie Mischtabelle aus der Praxis – für die Praxis bestellen: Pro-Echtholz.de/shop

Glutinleime

Glutinleime werden durch Auskochen und Eindampfen von tierischen Abfällen, wie zum Beispiel Knochen, Haut, Knorpel, Gräten usw. gewonnen. Diese Bestandteile bestimmen dann auch deren genaue Bezeichnungen, wie z.B. Knochenleim, Fischleim, Hasenleim, Hausenblasenleim oder Hautleim.

Eigenschaften:

  • Verkaufsformen: flüssig und gebrauchsfertig (Fischleim), Granulate oder getrocknete Schwimmblasen (Hausenblasenleim).
  • Die Viskosität der Glutinleime kann durch Wasserzugabe erhöht oder durch längere Erwärmung (Wasserverdunstung) auch verringert werden. 
  • Ohne Zusätze (z.B Alaun) sind sie nicht wasserfest. 
  • Thermische Lösbarkeit der verleimten Bauteile. Diese Eigenschaft macht man sich vorwiegend bei Restaurations- und Furnierarbeiten sowie im Instrumenten- und Möbelbau gerne zunutze, um Bauteile im Reparaturfall beschädigungsfrei wieder voneinander trennen zu können.
  • Leimpinsel sollten gebundene Pinsel mit Naturborsten sein oder zumindest eine Bindung aus Edelstahl haben.
  • Glutinleime können auch bei Verbindungen mit Leder, Glas, Metall, Porzellan oder Gewebe verwendet werden.
  • Es treten durch die Verleimung keine Verfärbungen des Holzes auf – auch nicht bei gerbstoffhaltigen Hölzern wie Akazie oder Eiche. 
  • Die Oberflächenbehandlung durch Beizen oder Ölen ist auch völlig unproblematisch.
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(1) Kaseinleim angemischt (2) Hautleim (3 + 4) Hasenleim

Hausenblasenleim

Er wird aus der Schwimmblase des Hausen, einer Störart, hergestellt. Die natürlichen Bestände dieses Fisches stehen unter Artenschutz und die Schwimmblasen sind aufgrund der reglementierten Fangquoten relativ teuer. Produktionen aus Aquakulturen sind m.E. aus ethischen Gründen nicht vertretbar. Da die Verarbeitung dieses Leimes einiges an Erfahrung braucht, ist er für Heimwerker eher uninteressant. Sein Hauptverwendungszweck liegt im Instrumentenbau.

Birkenpech 

Eine weitere, sehr interessante und vegane, also tierleidfreie Möglichkeit, Klebeaufgaben ökologisch auszuführen, ist das Birkenpech. Es gilt als der älteste nachgewiesene Klebstoff der Menschheit. Das Alter eines entsprechenden Fundes im italienischen Campitelle wurde auf 220.000 Jahre datiert.

Dieser Klebstoff entsteht bei der Verschwelung von Birkenrinde unter Sauerstoffausschluss. Seine frühere Verwendung lag wohl in der Schäftung von Werkzeugen und Waffen, als Allzweckklebstoff sowie in der Abdichtung von Planken im Schiffsbau und im Böttcherhandwerk. Es erlangte zwar nie wirtschaftliche Relevanz, wird jedoch im Zuge der heute geforderten Nachhaltigkeit weiter erforscht.

Fazit 

Angesichts der Vielzahl an natürlichen Leimen für Holz, Leder, Keramik, Metalle oder Gewebe sowie deren nachgewiesene Haltbarkeit teilweise über Jahrtausende stellt sich die Frage, warum wir sie nicht auch heute noch nutzen und weiterentwickeln. Ist es Bequemlichkeit? Ist es Unwissenheit? Oder sind es wirtschaftliche Interessen? Das mag jeder für sich selbst beantworten.

Wie dem auch sei: Ich möchte alle Handwerker, Heimwerker, Planer oder Bauherren ermutigen, im Handel beharrlich nach Naturprodukten zu fragen und solche Produkte auch auszuprobieren/anzuwenden, um Nachfrage zu erzeugen. Klar ist doch, dass die Industrie nur Produkte herstellt, für die es auch Abnehmer und Käufer gibt. Wenn also Kunden (Konsumenten) ihre wirtschaftliche Macht bewusst einsetzen, werden umweltschädigende und giftige Stoffe nach und nach wieder vom Markt verschwinden.

Mit unserem – bewussten – Kaufverhalten haben wir es selbst in der Hand!

IBN-Kommentar: Natürliche versus synthetische Holzleime

Warum natürliche Holzleime, wo doch synthetische Holzleime z.B. bezüglich Verarbeitung Abbindezeit, Scher- oder Wasserfestigkeit oft überlegen sind und damit DIN-gerechte Eigenschaften gewährleistet werden können?

Für Leimholz (z.B. Brettschichtholz) werden rund 200 g Leim je Quadratmeter Leimfläche benötigt. Der Leimanteil in Holzwerkstoffplatten beträgt rund 3 – 10 %. Schon für ein kleines Holzhaus kommen oft einige hundert Kilogramm Leim zusammen. Weltweit liegt der jährliche Verbrauch synthetischer Leime bei mehreren Millionen Tonnen. Und dies, obwohl Leime toxikologische und/oder ökologische Probleme z.B. bei Herstellung, Transport, Verarbeitung, Gebrauch, Entsorgung oder im Brandfall verursachen können.

Wir empfehlen deshalb, den Verbrauch von Holzleimen bestmöglich zu reduzieren und vorrangig unverleimtes Vollholz, andere leimfreie Materialien und/oder leimfreie Holzverbindungen zu verwenden (Buchtipp: Holzverbindungen). Soweit dies nicht möglich / gewünscht ist, können natürliche Holzleime am besten aus pflanzlichen Rohstoffen eine gute Alternative sein. Wünschenswert wäre hierzu mehr Weiterbildung, Forschung und Erfahrungsaustausch, um natürliche Holzleime zu verbessern und massentauglich zu machen.

Bitte teilen Sie uns Ihre Erfahrungen rund um die Verwendung natürlicher Leime mit und nutzen Sie dafür das Kommentarfenster “Ihre Meinung ist uns wichtig” am Ende dieses Beitrags!

Synthetische Holzleime

  • Formaldehydharzleime (UF-, PF-, RF- Leime)
  • Polyurethanleime (PU- bzw. PUR-Leime)
  • Expoxidharze (EP-Leim)
  • Polyesterharze (UP-Leim)
  • Melaminleime (MUPF-Leim)
  • PMDI-Leime oder Dispersionsleime (PVAC- oder Weißleim)

Einige Anbieter/Hersteller natürlicher Holzleime bzw. hierfür benötigter Inhaltsstoffe

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

Die Erstveröffentlichung dieses Beitrages erfolgte im Baubiologie – Magazin

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2 Antworten zu „Natürliche Holzleime: Herstellung & Verwendung“

  1. Avatar von Oster
    Oster

    Ich möchte ein Tischlampe neu verleimen. Die Lampe besteht aus einer lasierten Tonkörper und die Lampenfassung besteht aus Messing.
    Mit welchen Leim könnte ich diese so unterschiedlichen Bauteile verleimen?
    Danke für ihre Rückmeldung.

    1. Avatar von admin

      Hallo, danke für Ihre Anfrage.

      Wenn Sie natürliche Verbindungen bevorzugen (wovon ich ausgehe), würde ich mit Leinölkitt versuchen, die Messingfassung in den Tonkörper einzumodellieren. Dieser wird ausreichend fest und ist auch temperaturbeständig.
      Kaseinleim verbindet sich m. e. nicht mit dem Messing und Knochenleime sind leider nicht hitzebeständig für diesen Zweck.

      Gutes Gelingen und viele Grüße,
      Sven

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